Meeresrauschen mitten in der Wüste
Schon wieder mit über 50.000 Verrückten auf dem Burning Man Festival in der Wüste Nevadas. Ein Erlebnisbericht, wie es beim zweiten Mal war.
The Man burns in six hours.
Unser Highlight des Burning Man Festivals 2011 ist ein alter Bootssteg. Etwa hundert Meter lang, windschief, wettergegerbt und schon etwas ramponiert. Alle paar Meter wittern ein paar orangene Rettungsringe vor sich hin, dann ein großes Schild „No Swimming“. Über dem Steg hängen Blechlampen, schaukeln leise quietschend im Wind. Auf halber Strecke steht eine kleine Bretterbude, „Pappys Master Bait Shoppe“. Ein kauziger Typ verleiht Angelruten und Köder und schenkt großzügig aus einer großen Buddel Rum aus. An jeden der mag, direkt in den Mund. Eine Surferin im Wetsuit kommt uns entgegen: „The water is lovely, good waves!“ sagt sie strahlend. Dazu hören wir das Rauschen der Wellen, entferntes Möwengeschrei. Um uns herum: ein paar hartnäckige Angler, Liebespaare knutschen vertieft, ein paar ältere Touristen machen Fotos. Wunderschön idyllisch liegt der alte Steg da. Mitten in der trockensten Wüste von Nevada.
Heute ist der vorletzte Tag des einwöchigen „Burning Man“ Festivals, etwa 120 Meilen nördlich von Reno. Gegen neun Uhr abends wird die 20 Meter hohe Holzfigur eines Mannes, Sinnbild des Festivals, unter ohrenbetäubendem Applaus verbrannt. The Man burns in six hours. Der absolute Höhepunkt. Als Zeichen der Befreiung von Hab und Gut, als Statement gegen den Besitz.
Über 50.000 Menschen aus aller Welt haben dieses Jahr wieder den langen und strapaziösen Weg in die Wüste auf sich genommen, zu diesem absonderlichsten aller Festivals. Das erste Mal in der 25-jährigen Geschichte der Veranstaltung waren die Tickets ausverkauft. Obwohl sie zwischen 200 und 360 Dollar kosteten. Auf Ebay wurden über 800 Dollar für Tickets geboten. Die Menschen sind in Scharen aus San Francisco gepilgert, aus Los Angeles, aus Seattle, aber auch aus allen anderen Teilen der Welt: in einem langen Treck aus beladenen Pick-up Trucks, Wohnmobilen und Lastwagen haben sie sich stundenlang über die enge Straße von Reno nach Gerlach geschlängelt, von Gerlach weiter, bis ans „Gate“ von Black Rock City.
Hier wird alljährlich in einem Halbkreis von etwa 6 Kilometern Durchmesser eine temporäre Stadt erschaffen: mit 50.000 Einwohnern, den sogenannten „Burnern“. Die drittgrößte Stadt des Bundesstaats Nevada. Die Einwohner errichten liebe- und mühevoll hunderte von Camps, Tempel, Bars, Installationen und Skulpturen. Sie fahren in aberwitzigen, selbst gebauten und phantasievoll dekorierten Wüstenfahrzeugen durch die Gegend, den „Art Cars“. Sie gründen Religionen, Theatergruppen, Bands und Vereine, verkleiden sich phantasievoll wie in einem Tim Burton Film, geben Yogaklassen unter freiem Himmel für hunderte von Menschen, veranstalten politische Demonstrationen, Musikparaden und spontane Flashmob-Happenings. Allerdings gibt es diese Stadt und diese Kultur nur sieben Tage lang im Jahr. Nach einer Woche, nachdem das feindselige Wüstenklima mit seinen Sandstürmen, der brutalen, trockenen Mittagshitze und den kalten Nächten, die auf unter 10 Grad abkühlen , auch den letzten „Burner“ mürbe gemacht, die langen Partynächte und der Schlafentzug zur völligen Erschöpfung getrieben haben, nachdem das Sinnbild des Festivals, „The Man“ und der temporäre Tempel verbrannt wurden, dann verschwinden alle 50.000 Bewohner dieser Wüstenstadt wieder dahin, woher sie gekommen sind. Und mit ihnen verschwindet jede Spur, jede Straße und jedes Gebäude, jede Dixie-Toilette, jedes Straßenschild und jeder letzte Zigarettenstummel. Denn das ist eine der wichtigsten Regeln von Burning Man: Leave no trace!
The Man burns in five hours.
Wir ziehen weiter vom Pier durch die Wüste: lassen uns treiben, von einer Begegnung und Entdeckung zur nächsten. Auf staubigen kleinen Kinder-BMX-Rädern, die günstigsten Fahrräder, die wir im Walmart in Reno auftreiben konnten. Wir tragen Camel-Baks auf dem Rücken, noch halb gefüllt mit isotonischem Wasser, aus denen wir immer wieder trinken. Als nächstes besichtigen wir den Tempel. Jedes Jahr wird von Künstlern und Architekten ein spektakulärer, begehbarer Tempel errichtet. Dieses Jahr ist er besonders anmutig und filigran. Er heißt „Tempel des Übergangs“ und sieht ein bisschen asiatisch aus. Oder als ob darin Elben aus „Herr der Ringe“ wohnten. Am letzten Tag wird auch der Tempel verbrannt. Mitsamt abertausenden von Relikten, Botschaften und Wünschen, die Burner dort hinterlassen haben. Der Tempel wird durch starke, gespannte Drahtseile gehalten. Und plötzlich beginnt ein Musiker mit einem riesigen Bogen darauf zu spielen. Wie auf einer großen Geige. Die Musik ist wunderbar. Die riesigen Drahtseile müssen gestimmt worden sein. Hunderte von Burnern versammeln sich um den Tempel, um der Musik zu lauschen. Ein typischer „Playa Moment“, absolut magisch. Der temporäre Tempel hat jetzt eine erstaunlich sakrale und spritiuelle Ausstrahlung. Als wäre er ein Jahrtausende alter Pilgerort.
Die Bewohner dieser Stadt benehmen sich nicht wie Besucher eines Festivals. Sie sind keine Konsumenten und man kann hier auch nichts kaufen. Es wird von ihnen erwartet, dass sie alles mitbringen, was sie brauchen, um in der Wüste zu überleben: Mindestens drei Liter Wasser pro Tag pro Person, ausreichend zu Essen, eine Unterkunft als Schutz gegen die regelmäßigen Sandstürme, einen warmen Schlafsack gegen die Kälte, Staubmasken und Skibrillen gegen den Wüstenstaub, Geschenke zum Tauschen. Die Besucher sehen sich als Bürger von Black Rock City, Teil der Community, als Teil einer kulturellen Bewegung, getragen von den zehn Grundregeln von Burning Man, die in einem 30seitigen „Survival Guide“ stehen, der die Besucher im Vorfeld auf die Veranstaltung vorbereitet.
Zum Beispiel das Prinzip des „Communal Effort“, wonach jeder Besucher aufgefordert ist, alles notwendige zu tun, damit die Community funktioniert. Dazu gehören bedingungslose Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft. Oder die Verpflichtung, gemeinsam eine Umwelt zu erschaffen, die ohne kommerzielles Sponsoring, Transaktionen oder Werbung funktioniert. Markenkleidung ist verpönt. Markenzeichen auf Autos oder Lastwagen werden abgeklebt. Jegliche Form der Werbung ist verboten. Man darf nichts verkaufen, höchstens tauschen. Die häufigste Währung ist eine herzliche Umarmung – ein „Hug“. Sowieso wird in Black Rock City unglaublich viel gehugged. Wildfremde Menschen kommen auf einen zu, umarmen einen und wünschen einen schönen „Burn“.
The Man burns in four hours.
Die Nachmittagssonne ist jetzt nicht mehr ganz so gnadenlos wie noch vor einer Stunde. Sie verabschiedet sich langsam. Wieder so ein typischer „Playa Moment“: seit Tagen haben wir nur Technomusik gehört und sehnen uns nach etwas mehr Melodie. Nicht weit vom Tempel entfernt steht ein riesiges Partycamp. Die Boxen sind so groß wie zwei Einfamilienhäuser. Wir sind etwa 500 Meter entfernt. Die drückenden House-Bässe verstimmen. Pause. Und es erklingt Frank Sinatra, der wie ein Magnet auf eine ganze Schar von Burnern auf Fahrrädern wirkt, die alle die Richtung ändern, Frankie entgegenradeln, die Fahrräder fallen lassen und beginnen zu tanzen. So auch wir. Wir blicken in die Gesichter von glücklichen Pärchen. Einige schwul, die meisten straight. Es wird geschunkelt und gehugged und getanzt. Plötzlich umarmt uns Ashley, vielleicht Mitte zwanzig, ein Hippiemädchen, schlank und schön, mit einer herrlichen Stubsnase. Sie ist nackt bis auf ein Bauchtanzhöschen, deren Glockenklang ihren Ballett-artigen Tanz begleiten. Einige männliche Burner, die zuschauen, haben schon ganz glasige Augen. „I love you guys“, haucht sie uns zu. Und tanzt schon wieder weiter, immer um die eigene Achse, zum Glockenklang ihres Höschens, wunderschön. Tiny dancer, dancing in the sand.
Die Veranstaltung ist kaum mit einer anderen Veranstaltung auf der Welt zu vergleichen. Vielleicht am ehesten mit einer Mischung aus brasilianischem Karneval, Woodstock, Weltausstellung Expo und der frühen Love Parade. Alles startete in 1986 ohne jegliche kommerzielle Hintergedanken. Damals versammelten sich eine Handvoll Hippies in Baker Beach, am Strand von San Francisco und beobachteten, wie Larry Harvey, ein gescheiterte Taxifahrer und Landschaftsarchitekt, aus Liebeskummer (so sagt es die Legende) einen zwei Meter hohen Mann aus Holz abfackelte. Das Event wurde zu einem regelmäßigen und jährlich wachsenden Sommerritual, bis es 1990 aus San Francisco verbannt wurde. 1991 kamen Harvey und seine Freunde mit dem Burning Man in die Wüste, nach Black Rock City.
Nach einer anarchischen wilden Phase Mitte der 90er mit Schusswaffen, legendären Drive-By Shooting Ranches, Sexorgien und wildem Feuerwerk wechselte Burning Man Ende der 90er die Richtung. Harvey leitet seitdem als Executive Director die kleine Firma Black Rock City L.L.C.. Die professionelle Organisation der Veranstaltung begann, erstmals wurden Tickets verkauft. Und Burning Man wuchs mit jedem Jahr.
In der Mitte von Black Rock City ist die „Playa“, der Strand. Dieses Wort wird von den Burnern ehrfürchtig ausgesprochen. Sie ist das Zentrum von Black Rock City, erstreckt sich in einem Halbkreis um die Figur des Burning Man und dient als die dreidimensionale Leinwand für Dutzende von Installationen und temporären Kunstwerken. Hier steht auch der Pier ohne Wasser.
Es gibt ironische Werke, wie das Hug-Deli, eine Imbissbude, provisorisch aus Brettern zusammen genagelt. Hinterm Tresen stehen ein Junge und ein Mädchen und nehmen Bestellungen für Umarmungen entgegen. Nach der Bestellung tritt entweder der Junge oder das Mädchen aus dem Verschlag und serviert die Bestellung. Es hat sich eine kleine Schlange vor dem Hug-Inn gebildet. Es läuft gut heute für die beiden. Umarmungen sind beliebt auf der Playa.
Nicht weit davon entfernt steht eine Art Riesenrad, das wie eine Kirchturmuhr durch herunter hängende Seile gedreht wird. Sechs Mann müssen kräftig ziehen, damit es sich in Bewegung setzt. Im Innenkreis sind Skulpturen eines rudernden Skeletts angebracht. Jede ist in einer anderen Position. Das ganze erinnert an einen der ersten Automaten für Bewegtbild-Illusionen. Sobald eine gewisse Drehgeschwindigkeit erreicht wird, erleuchtet ein Stroboskoplicht und erweckt das rudernde Skelett für Außenstehende scheinbar zum Leben.
Warum machen die Burner das alles? Viele bereiten ihre Kunstwerke ein Jahr lang vor. Oder bauen monatelang mühevoll an ihren Art Cars, die sie dann in tagelangen Expeditionen in die Wüste bringen. Sie bekommen dafür kein Geld. Viele der Künstler sind in ihrem sonstigen Leben Banker, Lehrer und Programmierer. Warum also machen sie das? Der Dokumentarfilm „Burning Man“ von 2003 zeigt eine schöne Erklärung. Dort erläutert der Physiklehrer Bob Marzewski aus San Jose, der monatelang an einer Globus-Installation für die Playa gearbeitet hat, warum er es tut. „Die Kinder meines Nachbarns kamen zu mir in den Garten, wo ich an meinem Globus arbeitete. Und sie fragten mich, warum ich das tue. Ob ich dafür eine Auszeichnung bekäme. Oder Geld?“ Zunächst hatte Marzewski keine Antwort auf die Frage der Kinder. Er wusste selbst nicht, warum er das tat. Am nächsten Tag sah er die Kinder im Nachbargarten auf einen Baum klettern. Und da wurde es ihm plötzlich klar. Er ging hinüber zu den Kindern und sagte: „Ich tue es aus den gleichen Grund, warum ihr auf diesen Baum klettert. Ihr bekommt dafür kein Geld oder auch keine gute Schulnote. Ihr tut es, weil ihr es gerne möchtet. Weil ihr es jetzt gerade einfach tun müsst. Genau so geht es mir mit dem Globus für Burning Man.“
The Man burns in two hours.
Wir sind zu Sunset-Drinks im „Bojon-Camp“ eingeladen. „Bojon“ steht für No Job – rückwärts. In diesem Camp haben sich 13 erfolgreiche Internet-Unternehmer mit ihren Partnern versammelt. Viele von Ihnen sind bereits Berufspensionäre und müssen nicht mehr arbeiten. Kaum jemand ist über 40. Darunter mehrere Multimillionäre einer bekannten Reise-Website. Die Kinder sind zu Hause gelassen worden. Es gibt eine zentrale Bar, umringt von Zelten und einigen luxuriöseren Wohnmobilien. Jeden Tag gibt es eine offene Bar und die Internet-Manager mixen Drinks für jeden, der den Weg ins Camp findet. Die Gastfreundschaft ist so wie überall in Black Rock City: überragend. Gute Drinks. Hugs. Offene Arme. Ein paar Geschichten von letzter Nacht. Das Gerücht geht um, dass ein paar Googler dieses Jahr eine Satelliten-Anlage für WLAN mitgebracht haben. Ein Skandal. Denn bisher hatte man in Black Rock City keinen Handy-Empfang. Und schon gar kein WLAN. Das war auch ein Grund, warum die Geeks aus Sillicon Valley ihren Alltag hier so schön vergessen konnten.
Früher am Abend haben wir Tiya Coleman kennen gelernt. Sie ist allein erziehende Mutter und arbeitet für Tesco in San Francisco. Sie geht seit 14 Jahren zum Burning Man und war schon dabei, als noch mit Schrotflinten wild in der Wüste herumgeballert wurde. Sie ist Afro-Amerikanerin, eine von wenigen hier, voll-schlank, mit einem enormen Busen, ihr Lachen ist ansteckend und vibriert wie das einer Opernsängerin. Sie engagiert sich seit Jahren als Freiwillige für Burning Man. Morgen singt sie im Chor im Programm des Tempel-Burns. “Es ist wichtig, dass wir den neuen Burnern jedes Jahr die Grundzüge unserer Kultur beibringen.”, sagt sie. “Und es geht jetzt darum, den Spirit von Burning Man auch aus der Wüste heraus zu tragen. Unsere große Chance ist es, dass all die Camps, die sich das Jahr über auf die Wüste vorbereiten, den Spirit auch auf ihre Communities in San Francisco, Austin oder München übertragen.” Zwei Stunden vor dem Burn bereiten sich die 50.000 Einwohner von Black Rock City auf das alljährliche Highlight vor. Sie verkleiden sich und warten ein letztes Mal ihre Art Cars.
The Man burns NOW.
Es ist jetzt kurz nach 21 Uhr. Das große Finale. Alles strahlt, fiept und blinkt. Über der Playa leuchtet einer der schönsten Sternenhimmel, die man sich vorstellen kann. Und unten, da leuchten wir. Die große Versammlung auf der Playa beginnt. Über hundert Art-Cars reihen sich im Kreis um die Burning Man Skulptur auf. Wie eine riesengroße, fahrende Kirmes. Von den Wagen hämmern vorfreudige Bässe und aufgedrehte House-Tunes. Die Meute tobt schon jetzt. In erster Reihe vor dem Burning Man jongliert eine Armada junger Leute mit Feuer-Poi, beweglichen Fackeln, die um die Körper gewirbelt werden. Ein atemberaubender Anblick. Dann wird die erste Rakete gezündet. Die Wüste bebt. Ein zwanzigminütiges Feuerwerk folgt. Eine riesige Gasexplosion drückt die Menge zurück. Ein Raunen geht durch die Menge. Eine zweite Explosion, eine dritte. Das Spektakel ist noch beeindruckender als letztes Jahr. Jetzt brennt der Mann. Das Feuer lodert infernalisch um die sich dunkel abzeichnenden Konturen der Skulptur. Ein sattes Orange drückt sich heiß auf die Gesichter tausender von bereits tanzenden Burnern in den ersten Reihen. Nach weiteren zehn Minuten bricht „The Man“ in den Flammen zusammen. Die Wüste bebt. Alle wünschen sich ein „Happy New Year“ – die neue Zeitrechnung in Black Rock City hat begonnen.
Wegen der ausverkauften Tickets war im Vorfeld viel über die Mainstreamisierung von Burning Man gesprochen worden. Es käme zu viel Partyvolk in die Wüste. Zu viel Techno. Tiya sieht das anders: „Es gibt nicht mehr Raver und Party-Volk als früher. Die waren immer schon da. Wenn auch mit anderer Musik. Das gehört genau so zu der Kultur von Burning Man wie die Hippies und die Art Cars.“
The Man burns in 365 days.
Wir ziehen weiter. Und nach einigen Tanzstationen und vielen weiteren Begegnungen und Entdeckungen enden wir in einem Camp, wo vier Sofas um ein loderndes Lagerfeuer gestellt sind. Es ist vier Uhr morgens. Wir bleiben einige Stunden bis zum Sonnenaufgang und lassen uns von den zufälligen Begegnungen überraschen. Von weiteren magischen „Playa Moments“. Ein junges Mädchen, das sich verkleidet hat wie ein Ewok. Sie verrät uns nur ihren Playa-Namen: Ocean. Sie möchte ihren echten Namen nach ihrer Rückkehr aus Black Rock City gegen ihren Playa Namen tauschen. Sie schaut uns dabei sehr ernst an. Der Playa Name ihres Freundes ist „Flow“. Er will ihn nicht tauschen. Eine Weile sitzen zwei Typen aus New York bei uns. Beide voll auf LSD, sehr witzig; sie unterhalten die Gruppe prächtig und lassen alle an ihren psychedelischen Wahrnehmungs-Veränderungen teilhaben. Einer von beiden ist Theaterregisseur und begnadeter Masseur. Er massiert einen Gast am Feuer nach dem nächsten, die danach einen ähnlich glücklichen Gesichtsausdruck haben wie die LSD-Typen. Dann übernimmt ein junger Australier auf psychedelischen Pilzen das Steuer und erzählt ungelogen 100 Witze nacheinander. Zum Beispiel: „Was sieht aus wie ein Eimer und ist rot? ... Ein roter Eimer.“ So geht es prächtig weiter. Alle lachen und umarmen sich.
Und dann kommen Miki und Jason vorbei. Miki ist eine hübsche kleine Dunkelhaarige, halb Japanerin, halb Inderin. Halb Sushi und halb Curry, wie sie lächelnd sagt. Ihr gehören zwei kleine Restaurants in New York City mit dem Namen Slice. Dort gibt es organic Pizza. Sie ist Entrepreneurin durch und durch, Absolventin der renommierten Cornell Universität, blitzgescheit und geschäftstüchtig. Und neben ihr sitzt jetzt ihr Ehemann Jason, ein junger Kerl aus Washington DC. Sie haben sich vor einem Jahr auf einen Kongress für Entrepreneure kennen gelernt. Und vorgestern haben sie in Black Rock City geheiratet. Relativ spontan. Ein Priester hat sie vor den Augen ihrer Freunde und Familienangehörigen auf dem Pier in der Wüste getraut. Auf dem Pier ohne Wasser, auf dem wir heute Nachmittag standen. Another magic „Playa Moment“. Der Pier, auf dem fast hundert Menschen gemeinsam der Idee der Installation folgten. Und so taten, als wäre tatsächlich Wasser unter dem Pier. Tiya hatte uns von der Hochzeit erzählt. Es war viel darüber geredet worden. Mit sanfter Stimme wiederholt Jason jetzt für uns seinen Trauspruch und seine Worte an Miki. Die Zuhörer haben Tränen in den Augen. „Es war wunderschön. So viel Liebe.“, sagt Miki gerührt. „Und ich hätte schwören können, dass ich das Meer gesehen habe.“
Eine gekürzte Version ist auch im Oktober Heft des Magazins "Business Punk" veröffentlicht worden.











